Friday, 30. October, 2026
Marc Parmentier
In unserer Rubrik «Menschen bei der IAF» porträtieren wir regelmässig Persönlichkeiten aus dem Team der IAF anhand von zehn Fragen. Heute stellen wir Ihnen Marc Parmentier vor. Marc Parmentier ist hauptberuflich Head Distribution Academy bei der AXA Schweiz. An der Generalversammlung 2026 wurde er neu in den Vorstand der IAF gewählt.
Über Marc Parmentier
Marc Parmentier ist seit der Generalversammlung 2026 Mitglied des IAF-Vorstands und hat über 27 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Er ist spezialisiert auf digitale Strategie und Transformation, von der Konzeption bis zur Umsetzung. Als Führungskraft legt er Wert auf Empathie, Zusammenarbeit und eine offene Feedbackkultur. In der Funktion als Head Distribution Academy bei der AXA Schweiz ist er mit seinem Team für die Konzeption, Entwicklung und Durchführung von Ausbildungspfaden zuständig. Marc Parmentier verfügt über einen Abschluss als Jurist (lic. iur. UZH). In seiner Freizeit spielt er Tennis, geht gerne in die Berge zum Skifahren und Wandern und beschäftigt sich mit Themen aus Finanzen, Wirtschaft und Geschichte.
1. Marc Parmentier, Sie sind seit der Generalversammlung 2026 neu im Vorstand der IAF. Warum engagieren Sie sich für die Aus- und Weiterbildung in der Finanzbranche?
"Die Investition in die Ausbildung von Beraterinnen und Beratern ist die nachhaltigste Investition in die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes. Denn dieser lebt vom Vertrau-en und der fundierten Kompetenz seiner Mitarbeitenden. Als Leiter Ausbildung bei der AXA Schweiz erlebe ich täglich, dass eine erstklassige Qualifikation der Schlüssel für zufriedene Kunden und langfristigen Geschäftserfolg ist. Die IAF bietet dafür ein star-kes Fundament, weshalb ich mich hier aus voller Überzeugung engagiere."
2. Die Digitalisierung verändert die Finanz- und Versicherungsbranche stark. Was bedeutet das für die Beratung und welche Kompetenzen müssen Beraterinnen und Berater in Zukunft mitbringen?
"Um in einem KI-getriebenen Umfeld erfolgreich zu sein, müssen Beraterinnen und Berater künftig ihr Kompetenzprofil schärfen. Man spricht aktuell häufig von datengestützter Hybrid-Beratung. Dabei übernehmen Algorithmen das Aufbereiten und Analysieren von Daten, während sich menschliche Berater auf komplexe und empathisch abgestützte Kundenbeziehungen fokussieren. Ein strategischer Fahrplan sollte aus drei Schritten bestehen:
1. Technologie als Partner betrachten und im operativen Alltag zur Effizienzsteigerung nutzen.
2. Sich gezielt im Thema KI weiterbilden, idealerweise mit Fokus auf die im jeweiligen Jobprofil besonders benötigten Fähigkeiten
3. Soft Skills für die eigene Rolle auf- und ausbauen
Diese Schritte beinhalten mehrere Dimensionen:
- Agilität & Mindset: Berater müssen regulatorische und ethische Grenzen der KI verstehen. Die technologischen Zyklen werden immer kürzer und setzen deshalb eine hohe Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen voraus
- Metakognitive & soziale Skills: emotionale Intelligenz kann (noch) nicht durch KI ersetzt werden. Vertrauen bleibt die wichtigste Währung. Daher werden Fähigkeiten wie beispielsweise Empathie, Beziehungsaufbau und Verhandlungsgeschick noch wichtiger werden.
- Technologie- und Datenkompetenz: nebst der Bedienung von KI-Tools und einem Skill-Set für das Prompting im Alltag, müssen Berater auch in der Lage sein, die von der KI generierten Outputs kritisch zu hinterfragen, interpretieren und gegen-über dem Kunden erklären. Dies setzt ein minimales Verständnis von Daten und der Kenntnis von Sicherheitsgrundlagen voraus."
3. Wie sehen Sie als Digitalisierungsexperte die Rolle von KI beim Lernen?
"KI wird die Ausbildung in den kommenden Jahren substanziell verändern. Während die KI personalisiertes Lernen ermöglicht, wird sich die Rolle der Ausbilder verstärkt hin zu Lernbegleitern und Coaches entwickeln. In der AXA nutzen wir bereits heute KI für höhere Effizienz bei der Erstellung von Ausbildungspfaden, der Organisation von Lernplänen und deren logistischer Umsetzung sowie für Auswertungen über den Wissensstand der Auszubildenden. Zudem werden wir ab nächstem Jahr schweizweit einen KI gestützten «Agent Coach» einführen, mittels welchem die Auszubildenden selbstständig, ortsunabhängig und jederzeit ihr Wissen in simulierten Kundengesprächen mit hohem Praxisbezug und Echtzeit-Feedback vertiefen können. Dies macht die Ausbildung abwechslungsreicher und praxisnäher und hilft, frühzeitig Unterstützungs-bedarf zu erkennen.
Besonders attraktiv ist die Möglichkeit, die Inhalte der Ausbildung und das Lerntempo mittels datenbasierter Lernprogramme individuell und flexibel zu gestalten. Dabei können das Vorwissen sowie die Stärken und Schwächen des Einzelnen berücksichtigt und mit den Vorteilen eines physischen Klassenverbundes (persönliche Interaktionen) kombiniert werden.
Besonders herausfordernd sind diese Entwicklungen für die Mitarbeitenden der Ausbildungseinheiten im Unternehmen. Deren Wissen und Kompetenzen hinsichtlich der verwendeten KI-Tools und den damit einhergehenden ethischen und rechtlichen Aspekten müssen fortlaufend ausgebaut und aktualisiert werden.
Die grosse Gefahr der KI in der Ausbildung besteht unseres Erachtens darin, dass ins-besondere leistungsschwächere Auszubildende KI im Sinne einer «Abkürzung» und ohne kritisches Hinterfragen KI-generierte Resultate verwenden. Dadurch findet kein echter Lernprozess mehr statt. Wir legen hier seit einiger Zeit ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung bei unseren Auszubildenden. KI muss daher als Unterstützung begriffen werden, deren Grundlagen so vermittelt werden, dass Auszubilden-de in der Lage sind, KI-generierte Ergebnisse fachlich zu prüfen und Fehler zu erkennen. Idealerweise sollten vor der Anwendung von KI zuerst auch eigene Lösungsansätze angedacht und besprochen werden."
4. Mit welchen zwei Persönlichkeiten – lebenden oder bereits verstorbenen – würden Sie gerne einen Nachmittag verbringen?
"Yuval Noah Harari – seine Denkweise und Weitsicht sind inspirierend. Und Tina Turner. Sie hat das Leben trotz Tiefschlägen und schwierigen Zeiten selbst in die Hand genommen und zum Guten gewendet."
5. Worauf verzichten Sie nur sehr ungern?
"Auf das Tennistraining und das anschliessende Bier mit tollen Gesprächen jeden Donnerstagabend mit unserer seit über 25 Jahren bestehenden Interclub-Mannschaft."
6. Was war bisher Ihre beste Investition?
"Eine «beste» Investition kann ich nicht nennen. Aber (fast) alle bisherigen Investitionen in Aus- und Weiterbildung, in Reisen, in Freundschaften und Aktivitäten, welche den eigenen Horizont erweitern, möchte ich nicht missen."
7. Welches Buch lesen Sie momentan?
"«Die transatlantische Illusion» von Josef Braml. Erschienen bereits 2022, hat es nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Wie selbständig muss Europa (und die Schweiz) auf wirtschaftlicher, politischer und militärischer Ebene werden, um nicht zu den Verlierern der neuen Weltordnung zu gehören."
8. Was war Ihr erster Konzertbesuch?
"Im Alter von 17 Jahren hatten mich Freunde dazu überredet, mit ihnen nach Lausanne in die Pontaise an ein Konzert mitzukommen – Pink Floyd. Es war eine Offenbarung. Das Ticket habe ich bis heute aufbewahrt."
9. Mit welchem Essen macht man Ihnen eine Freude?
"Selbstgemachte Lasagne – da setzt meine Lebensgefährtin mit viel Liebe, Hingabe und einer Prise Chili einen unerreichbaren Benchmark."
10. Welches Reiseziel steht ganz oben auf Ihrer Wunschliste?
"Ich warte auf die nächste Rallye 500 – ein Roadtrip durch entlegene Gegenden Europas in einem Auto, welches nicht mehr als CHF 500 kosten darf. Ein Abenteuer mit Charity-Komponente."